Verarbeitungskennwert Siegelzeit

Die Siegelzeit ist die Zeit bis zur Erstarrung der Schmelze im Spritzgießwerkzeug.

Während dieser Zeit wird die thermische Volumenkontraktion des abkühlenden Formteils durch den Nachdruck ausgeglichen und die Formteilschwindung minimiert. Nach Ablauf der Siegelzeit kann der Nachdruck abgeschaltet werden, weil er durch das erstarrte Angusssystem nicht mehr in die Werkzeugkavität übertragen werden kann. Eine weitere Nachdruckverlängerung erhöht somit das Formteilgewicht nicht mehr, sondern verlängert nur unnötig die Zykluszeit.

Die Siegelzeit wird üblicherweise ermittelt, indem die Nachdruckzeit so lange schrittweise verlängert wird, bis eine Gewichtskonstanz des Formteils erreicht ist. Rationeller und präziser werden Siegelzeiten mit der Prozessdatenverarbeitung MCS durch den Prozesskennwert „Siegelindex“ ermittelt. Der Siegelindex wird aus der Druckübertragungsfunktion zwischen Hydraulik- und Werkzeuginnendruck berechnet und ersetzt die traditionelle Gewichtsmessung. Ein Siegelindex von 100 % zeigt eine vollständige Erstarrung der Schmelze im Spritzgießwerkzeug an und markiert damit die Siegelzeit.